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Lüneburgs politische und wirtschaftliche Entwicklung von den Anfängen bis in das 19. Jahrhundert – ein kurzer Überblick

Lüneburg um 1598
Lüneburg um 1598

Der Ursprung der Stadt: Mons, Pons, Fons

Die Entwicklung der Stadt Lüneburg ist im Wesentlichen durch drei Faktoren begünstigt worden: Mons, den Kalkberg, der früher eine leicht zu verteidigende Zufluchtstätte für die Bevölkerung in unsicheren Zeiten war und von dem im Übrigen auch der Name Lüneburg herzuleiten ist: „Lüne” stammt von dem langobardischen Wort „Hliuni” ab, welches soviel wie „Zufluchtsort” bedeutet, Pons, die Brücke, oder, wie der Lüneburger Geschichtsschreiber W. Reinecke es etwas treffender formuliert, die Wasserstraße - denn schließlich war es nicht nur die Brücke, sondern auch die Nähe zur schiffbaren Ilmenau, die Lüneburgs günstige Verkehrslage ausmachten und Fons, die Solequelle, die 956 n.Chr. erstmals urkundlich erwähnt wurde.

Nach der Zerstörung Bardowicks im Jahre 1189 durch Herzog Heinrich den Löwen entwickelte sich Lüneburg schnell. Während der Kalkberg mit der darauf gelegenen Burg, ein Symbol landesherrlicher Macht über die Stadt, im Jahre 1371 von den Bürgern eingenommen wurde und seine strategische Bedeutung verlor, wurde die Saline zum hervorstechenden Wirtschafts- und Machtfaktor der späteren Hansestadt. Deren Bruttogewinn wird für das Jahr 1350 auf 83.000 Mark geschätzt. Eines der größten mittelalterlichen Silberbergwerke, der Goslarer Rammelsberg, erwirtschaftete indes zu seiner Blütezeit um 1500 einen Bruttogewinn von etwa 18.750 Mark. Die politische Entwicklung Lüneburgs. Die Entwicklung des Salzhandels verhalf der Stadt zu einer exponierten wirtschaftlichen Machtstellung im Herzogtum Braunschweig-Lüneburg. Politisch und bisweilen auch militärisch unterstützt von den hansischen Bundesgenossen, nutzte sie diese dazu, Autonomie von ihrem welfischen Landesfürsten zu erlangen, indem sie sich von allen Beschränkungen buchstäblich „freikaufte”. Im 15. und 16. Jahrhundert war Lüneburg praktisch eine unabhängige Stadt. Von der kaiserlichen Kanzlei wurde sie zuweilen sogar zu den Reichsstädten gerechnet, obwohl die Reichsunmittelbarkeit nie bestand. Mit ungefähr 14.000 Einwohnern um 1600 zählte Lüneburg zwar nicht zu den Großstädten wie Lübeck oder Hamburg (mit 25.000 bzw. 20.000 Einwohnern), war allerdings eine der 20 größte Städte des damaligen Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation.

Die politische Macht in der Stadt nahm der Rat oder Magistrat wahr, der sich zu dieser Zeit aus den Sülfmeistern, den Betreibern der Saline, zusammensetzte. Das Ende dieser für Lüneburg glanzvollen Epoche wurde insbesondere durch den Verfall des Salzhandels herbeigeführt: Während die Qualität des Lüneburger Salzes aufgrund der starken Belastung der Saline zunehmend sank, drang seit dem 14. Jahrhundert das weit billigere Meersalz, genannt Bayensalz, in die Lüneburger Absatzmärkte ein. Der Rat wehrte sich anfangs erfolgreich gegen die billige Konkurrenz durch eine Handelspolitik, die sich auf besondere Privilegien und Monopole stützte, so etwa das Salzmonopol im Fürstentum Lüneburg und im Kurfürstentum Brandenburg. Diese kostspielige Politik zusammen mit vielen anderen hohen Ausgaben der Stadt war aber langfristig nicht finanzierbar, die Monopole verfielen, und mit dem Salzhandel geriet auch die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt ins Stocken. Der unausgeglichene Stadthaushalt und die hohen Steuern führten zu einer wachsende Unzufriedenheit der Bürgerschaft mit dem bestehenden Verhältnissen, und so gelangten im Verlauf des 16. Jahrhunderts vereinzelt auch bürgerliche Vertreter aus den Reihen der Brauer und Kagelbrüder in den Rat.

Während des Dreißigjährigen Krieges machte sich der Herzog Georg, der bis dahin nur die formelle Hoheit über die Stadt hatte, die zunehmende wirtschaftliche und politische Schwäche Lüneburgs zunutze. Er schränkte die städtische Autonomie 1619 und 1639 per Rezess ein und machte den Kalkberg wieder zu einer Landesfestung. Stadt und Land Lüneburg wurden fortan von Hannover aus regiert, von der kurfürstlichen Linie des Herrscherhauses, die im Jahre 1714 den englischen Thron bestieg und von da an 123 Jahre in London residierte. In den beiden Rezessen wurden auch die politischen Verhältnisse der Stadt neu geregelt. Die darin enthaltene neue Stadtverfassung sah nur noch die Hälfte der zwölf Magistratssitze für Sülfmeister vor, die andere Hälfte war für Vertreter der Bürgerschaft bestimmt.

Für letztere wurden in der Regel wirtschaftlich bedeutende Personen ausgewählt, zwei davon waren den Kagelbrüdern zugeordnet. Mit dem Niedergang des Salinenwesens im 17. und des Brauereihandwerks im 18. Jahrhundert nahmen zunehmend rechtsgelehrte Verwaltungsbeamte die frei werdenden Sitze im Magistrat ein.

Diese Stadtverfassung bestand unter dem milden und konservativen Adelsregiment der daheim gelassenen Geheimen Räte des Kurfürsten bis 1846 fort, was in Lüneburg zu einem „ausgesprochenen Stilleben mit Zügen behäbiger Beschaulichkeit”, aber auch zum Stillstand führte. Die wirtschaftliche Entwicklung Lüneburgs Sülfmeister, Brauer und Kagelbrüder „De Sulte dat is Luneborg!” Dieser Ausruf des großen Lüneburger Bürgermeisters Hinrik Lange aus dem 15. Jahrhundert ist bezeichnend für die überragende Bedeutung der Saline (oder „Sulte”) in Lüneburg. Zunächst im Besitze der billunger und welfischen Stadtherren, gelangte sie zusehends in die Hände zahlreicher Sülzbegüterter, zumeist geistlicher Herren oder Korporationen. Diese meist nicht ortsansässigen Inhaber der Rechte an der Saline schlossen sodann Verträge mit Lüneburger Bürgern, welche das Geschäft der Gewinnung und des Verkaufs des Salzes stellvertretend übernehmen sollten. Schon bald bildete sich eine eigene Berufsbezeichnung, nämlich die der „Sülfmeister”, für diesen Personenkreis heraus, und wenig später grenzten sich die Sülfmeister korporativ von der übrigen Bürgerschaft ab, während ihr Wohlstand und politischer Einfluss rapide zunahm.


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