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Herrenessen 2006 - mit Prof. Dr. Lothar Späth

jz Lüneburg. "Krisenzeiten sind Unternehmerzeiten!" Diese Botschaft würde die Lüneburger Kaufmannschaft wohl nicht jedem Referenten abnehmen. Diesem aber doch: Prof. Dr. Lothar Späth (68), Ex-Ministerpräsident, Ex-Konzernlenker und Banker präsentierte sich beim traditionellen Herrenessen der Kaufleute als überzeugter und überzeugender Optimist. Seine Botschaft vor 230 Gästen im Seminaris: Deutschland ist bei der Bewältigung der Globalisierung und bei der Flexibilisierung der Arbeitswelt sehr weit. Taktgeber des Fortschritts seien die Mittelständler.

Deutsche Unternehmer würden es am besten verstehen, aus verschiedensten, verstreut produzierten Komponenten marktgerechte, erfolgreiche Nischenprodukte zu schaffen. Späth: "Sonst wären wir nicht Exportweltmeister." Auch auf der Kostenseite gebe es Fortschritte, so der ehemalige baden-württembergische Ministerpräsident: "Seit acht Jahren haben wir keine Reallohnerhöhung mehr gehabt. Und die 40-Stunden-Woche ist längst Realität - zumindest im Mittelstand. Für die Großkonzerne gilt das noch nicht." Es seien auch die Mittelständler, die längere Lebensarbeitszeiten aufwiesen, so Späth: "Bis 67 arbeiten - aus meiner Erfahrung muss ich sagen: es geht."

Trotz immer besser werdender Wirtschaftsdaten pflegten viele Deutsche ihre "Krisenverliebtheit", bemängelte Späth. Nur echter Unternehmergeist könne die "melancholische Kapitulation vor der Wirklichkeit" durchbrechen. Deshalb sei für die Zukunft mitentscheidend, wie viele Deutsche den Mut zum Unternehmertum aufbrächten. "Nur noch zehn Prozent aller Bürger sind Unternehmer, in der Nachkriegszeit waren es noch 14 Prozent. In Irland ist jeder Fünfte selbstständig."

Der Wandel von der Produktions- zur Dienstleistungsgesellschaft falle den Deutschen nicht leicht, meint Späth, der sich als Politiker den Spitznamen "Cleverle" erwarb und als Manager den des "Königs von Jena": "Der Deutsche bedient lieber eine Maschine als Nachbarn."

In Sachen Kundenorientierung könne man von den USA lernen, wie Späth als Zeiss-Manager feststellte: "Der Amerikaner kommt immer vom Kunden und sagt: Der Kunde will einen absoluten Schwachsinn, aber er ist zahlungsfähig."

Dagegen wolle der deutsche Ingenieur lieber den Kunden missionieren, hat Späth leidvoll erfahren. "Fragte ich den nach dem Kundengespräch: 'Hast du den Auftrag?', sagt er: 'Das nicht, aber die wissen jetzt, wie gut wir sind.'

Die deutschen Unternehmer hätten die Globalisierung längst als Fakt anerkannt. Diese Denkweise sollte Allgemeingut werden, so Späth: "Wir müssen der jungen Generation wieder Technikbegeisterung beibringen und wir dürfen den Wettbewerbsgeist, der bei kleinen Kindern ganz natürlich ist, nicht in Schule und Hochschulen verschütten."

Flexibilisierung helfe aber nicht bei dem zweiten großen, unabänderlichen Trend, der wachsenden Zahl Älterer in Deutschland. Späth: "Hier gilt es, einen neuen Solidaritätsgedanken zu entwickeln. "Wir Älteren müssen Stellung beziehen, unseren Rat geben. Wir können unsere Erfahrung einbringen."

Die Bereitschaft der Deutschen zur Veränderung sei groß, meint Späth, nannte als Beleg die gestiegene Sparquote für die Altersversorgung trotz eingefrorener Löhne: "Die Leute erwarten von der Politik nur eine ehrliche Antwort."

Kaufmannspräsident Detlev von Plato hatte dafür zu Beginn als Motto ausgegeben: "Zeit ist Gottes Art, Kredit zu geben." Nach dem unterhaltsamen Vortrag war Zeit zu feiern, Zeit für Heidelammkeule und Griesflammerie, Zeit für Schnaps und natürlich eine Tonpfeife.

(Quelle: Landeszeitung Lüneburg, 26.10.2006, vielen Dank!)


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