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Herrenessen 2007 - mit Professor Dr. Horst W. Opaschowski

jj Lüneburg. Wer wüsste nicht gern, was die Zukunft so bringt? Die illustre Runde beim 33. Herrenessen des Vereins Lüneburger Kaufleute ist da einen Schritt voraus, ganz ohne Blick in die Sterne oder die Glaskugel. Die Kaufleute hatten gestern Abend Deutschlands bekanntesten Zukunftsforscher zu Gast. Im Seminaris erzählte Professor Dr. Horst W. Opaschowski, wie "Deutschland 2020" aussieht.

Politik und Gesellschaft stehen in den nächsten Jahren vor Problemen wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Massenarbeitslosigkeit, Globalisierung und Überalterung hinterlassen tiefe Spuren. Doch Opaschowski ist sich sicher, dass der Lebenssinn in Zukunft eine neue Definition erfährt: Es ist nicht mehr die Lust an der Arbeit, sondern am Schaffen. Und das Schaffen hört nicht mit der Rente auf, jeder wird "und muss zum eigenen Lebensunternehmer werden". Und weil die Gesellschaft immer älter wird, wird Gesundheit zum wichtigsten Wert dieses Unternehmens.

Die rund 200 Gäste der Kaufleute lernten gleich praktisch: Verzicht ist gesund. Denn das liebgewordene Pfeifenkollegium war gestern - heute zählt das Nichtraucherschutzgesetz. Die Pfeifen blieben erstmals kalt.

Als neuer Kaufleute-Präsident war sich Martin Aude sicher: Wer die Geschichte kenne, der gestalte die Zukunft. Und zur Tradition der Kaufleute passe Lüneburgs neuer, alter Titel Hansestadt bestens. Aude nahm die Fährte zu den Kagelbrüdern auf. Die Gilde war Vorgängerin des Kaufleute-Vereins, und schon sie wusste ein Herrenessen zu genießen.

Bevor dann Rheinischer Sauerbraten, Wirsingroulade und Rote Grütze im Hier und Jetzt lockten, schweifte das Auditorium erstmal mit Opaschowski durchs Zukunfts-Universum.

Das hat bei aller Schaffenslust auch Schattenseiten. Dazu gehört die Angst vieler vor Armut in einer Gesellschaft von wenigen Reichen und vielen Armen. Die für den Einzelnen undurchschaubare Globalisierung auch der Arbeitswelt, sie schürt diese Ängste noch.

Die Arbeitsformel für die Zukunft lautet nach Opaschowski 0,5 x 2 x 3. Übersetzt heißt das: Die Hälfte der Mitarbeiter verdient doppelt so viel und muss dafür dreimal so viel leisten wie früher. Dabei gleitet die Arbeitswelt endgültig hinüber in den tertiären Sektor der Dienstleistungen. Deutschland wird vom Waren- hoffentlich zum Wissens-Exportweltmeister.

Bei den Medien ist sich der Zukunftsforscher sicher: "Auch in Zukunft fährt die Masse der Konsumenten voll auf das TV-Programm ab. Die Prognose der Medienbranche 'Web frisst Fernsehen' erfüllt sich nicht." Das Fernsehen bleibe das wichtigste Leitmedium im Alltagsverhalten der Menschen. Die Informationsgesellschaft bleibe eine Vision. Das sagt Opaschowski trotz aller Jubelrufe der Internetgemeinde. "Meine Prognosen sind treffsicher, weil ich frage: Was will der Verbraucher, nicht, was kann die Technik?" Die ändere sich schneller als die Gewohnheiten der Menschen. Das Neue ersetze nicht das Alte, sondern ergänze es.

Kinderlosigkeit bleibe für Deutschland ein Problem. Um die Bevölkerung stabil zu halten, müsste die Geburtenrate theoretisch von 1,3 auf 3,8 Kinder pro Frau steigen. Illusorisch. Doch es gebe erste Anzeichen für eine Trendwende, die aber erst nach 2020 greift. Kurzum, Deutschland wird grau: "Bis zum Jahre 2040 wird sich der Anteil der über 60-Jährigen verdoppeln." Die allerdings fühlen sich jünger und und tun was dafür. "Gesundheit und Wellness werden fast zwangsläufig zum Megamarkt", nähmen Züge einer Religion an.

Was sonst noch kommt, Opaschowski trug es mit einem Parforceritt durch die Zukunft vor: die Götterdämmerung für die Ellbogen-Gesellschaft, die Rückkehr der Verantwortung auch für andere, für Familie, Umwelt und kommende Generationen. Lebensstandard sei nicht mit Lebensqualität zu verwechseln, Sinnhunger nicht mit Geld zu stillen.

Der Zukunftsforscher lieferte auch Lebensregeln mit, wovon eine sogleich befolgt wurde: Bleib' nicht dauernd dran; schalt' doch mal ab. Beim Herrenessen genossen viele das bis weit nach Mitternacht. Wie sagt es Opaschowski: "Es gibt nichts Gutes; es sei denn, man tut es."

(Quelle: Landeszeitung Lüneburg, 27.10.2007, vielen Dank!)


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