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Herrenessen 2010 - mit Werders Ex-Manager Willi Lemke

Werders Ex-Manager Willi Lemke berichtet der Kaufmannschaft von seiner Arbeit als UN-Sonderberater

cst Lüneburg. Um Fußball ist es natürlich auch gegangen beim 36. Herrenessen der Lüneburger Kaufleute. Aber um "Fußball als die schönste Nebensache der Welt", wie ausgerechnet Willi Lemke sagt, der sich dem runden Leder 18 Jahre seines Lebens voll und ganz verschrieben hatte.

220 Zuhörer im Hotel Seminaris lauschten am Abend gebannt den Worten des einstigen Managers von Werder Bremen und heutigem Sonderberater des UN-Generalsekretärs für Sport im Dienste von Frieden und Entwicklung. "Bundesliga und Vereinte Nationen. Wie passt das denn, Herr Lemke?", hatte ihm die Kaufmannschaft als Thema vorgegeben.

Nach Auffassung des 64-Jährigen sogar sehr gut: Der Sport, insbesondere der Fußball, könne Brücken bauen, selbst zwischen verfeindeten Lagern, erzählt er von seiner Arbeit für die Vereinten Nationen. Sie führt ihn in afrikanische Slums, in den Gazastreifen und an all die anderen Orte dieser Welt, in denen Krieg, Elend und Hoffnungslosigkeit den Alltag diktieren. "Ich merke, dass ich aufgehe in dieser Arbeit", sagt Lemke. Sie erfülle ihn in einer Weise, die er bislang so nicht gekannt habe. Für den Fußball habe er gelebt, bekennt er sympathisch offen, aber dass Fußball eben nur die herrlichste Nebensache sei, habe er erst jetzt gelernt. Nicht nur, dass er seine Familie vernachlässigt habe, sei ihm bewusst geworden, sondern vor allem: "Die Frage nach Krieg und Frieden ist um ein Vielfaches wichtiger als die, die sich nach einem verlorenen oder gewonnenen Spiel stellt."

Lemke hat der Kaufmannschaft Bilder mitgebracht, die er während seines Vortrags zeigt. Sie vermitteln Eindrücke von den vielen bewegenden Begegnungen, die der bremische Ex-Senator in den Elendsvierteln rund um den Globus macht. Sie künden auch von größeren und kleineren Erfolgen, aber auch von der Dramatik der Lage vor Ort. Festgehalten hat er das in seinem Buch "Ein Bolzplatz für Bouaké". Darin findet sich auch die Geschichte aus dem Ort an der Elfenbeinküste, in dem Lemke ein Judoprojekt voranbringen will.

Von bewaffneten UN-Blauhelmen begleitet, fährt er im Militärkonvoi seinem Ziel Bouaké entgegen. Vorbei an den Unterkünften der Rebellen, auch an den Kasernen der Blauhelme. Gegen die Aufständischen hätten sie schon mal Fußball gespielt, erzählen Soldaten dem UN-Sonderberater. Gerade baut das Militär in Eigenleistung auf seinem Gelände einen Sportplatz. "Warum machen Sie das nicht für die Jugendlichen?", fragt Lemke den UN-Kommandeur, nachdem er zuvor Kinder beim Kicken gesehen hatte - auf holprigen Wegen im Ort. Der habe nur das Gesicht verzogen. Aber Wochen später schickt ihm der Offizier Bilder - sie zeigen, dass das Militär auch für die Kinder in Bouaké einen Bolzplatz errichtet hat.

Eine von nur vielen anrührenden Begebenheiten, die der UN-Sonderbeauftragte wiedergibt. Etwas von den finanziellen Mitteln der Weltorganisation steht ihm für seine Arbeit zur Verfügung, die sich auch auf den Behindertensport bezieht.

Lemke erzählt auch von einem jungen Mann aus einem der vielen afrikanischen Slums, den er nach Deutschland geholt und ihm ein Praktikum bei Radio Bremen ermöglicht hat. Der 23-Jährige habe sich dabei das Fotografieren selbst beigebracht und berichte heute regelmäßig aus Afrika. 20 weiteren jungen Leuten aus Afrika und Palästina möchte Lemke nun die gleiche Chance geben: "Ich möchte sie ausbilden, damit sie zurückgehen - als Vorbilder für ihre Jugend." Wenn er den Lebensmut der Kinder und ihre Gesichter sehe, fühle er sich in seinem Handeln selbst ermutigt, meint Lemke. Sport könne die Welt zum Positiven verändern, diese Überzeugung leite ihn. Und wenn er etwas kapiert habe, dann das: "Ich bin dankbar, dass ich in diesem privilegierten Land leben darf."

Ein wenig von der Privilegiertheit der Deutschen kam im anschließenden Festmahl herüber, bestehend aus Vierländer Ente mit Burgunderkraut und Kartoffelklößen sowie Bayrisch Cremé nach Starkoch Schubecks Art mit frischen Himbeeren. Martin Aude, Präsident des Vereins Lüneburger Kaufleute, konnte dazu unter der großen Zahl der Kaufleute auch Kultusminister Dr. Bernd Althusmann, die Landtagsabgeordnete Miriam Staudte, Landrat Manfred Nahrstedt, Oberbürgermeister Ulrich Mädge sowie etliche Vertreter aus Stadtrat und Kreistag begrüßen.
 


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