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Herrenessen 2015 - Berechenbarkeit in Krisenzeiten

Berechenbarkeit in Krisenzeiten - Lagebesprechung mit Generalinspekteur a.D. Harald Kujat beim Herrenessen des Vereins Lüneburger Kaufleute im Seminaris

Lüneburg. Harald Kujat malte zwar sachlich und ruhig sein Krisenszenario in der Welt, doch jeder im Saal merkte, wie viel Sprengkraft dahinter steckt. „Wir sind umzingelt von Krisen, und die Politik kann damit nicht umgehen“, sagte der ehemalige Generalinspekteur der Bundeswehr. Ob Ukraine, Syrien oder Afghanistan. Ganz direkt spürten wir das an den Flüchtlingen. „Und das ist nur ein Vorgeschmack, die nächsten kommen aus Afrika.“ Es sollte im ureigensten Interesse Europas liegen, „die Spirale von Drohung und Gegendrohung, von Fehleinschätzung und Überreaktion zu überwinden“. Und damit auch Ursachen von Flucht und Vertreibung. Europa müsse eine stärkere Mittler- rolle übernehmen, forderte der General a.D. beim Herrenessen der Lüneburger Kaufleute Freitagabend im Seminaris. Sein Thema: „Deutsche Außen- und Sicherheitspolitik und die Krisen unserer Zeit“ .

Kujat blickte mit den Kaufleuten sehr weit über den Tellerrand bei seiner Tour d‘Horzon zur Rolle Deutschlands in Europa und der Welt, sie muss klarer werden als „europäische Großmacht“, zur Rolle der Bundeswehr, der NATO und der Supermächte. Thesen:

„Es spricht viel dafür, die außen- und sicherheitspolitische Rolle der Europäischen Union zu stärken und dabei eine gestaltende Rolle zu übernehmen. Denn das Problem des internationalen Terrorismus und Fundamentalismus, die weltweit ungleiche Verteilung der Güter und die Gefährdung der natürlichen Lebensgrundlagen schaffen immer neue Konflikte und Krisenherde mit kollabierenden Staaten und destabilisierten Regionen.“ Die Folge, so Kujat, seien Flucht und Vertreibung in einem Aus- maß, wie es ein Land allein nicht bewältigen könne. Dazu kämen die wachsenden Risiken einer militärischenKonfrontation zwischen den großen Mächten, zwischen denen Europa sich behaupten müsse.

,,Unsere Verbündeten in der NATO und in der Europäischen Union fordern schon seit längerer Zeit ein stärkeres Engagement Deutschlands für internationale Stabilität und gemeinsame Sicherheit. Diese Er- wartung bezieht sich nicht nur auf militärische Einsätze.“ Es gehe vielmehr um eine Strategie zur Prävention und zur Kon- fliktbewältigung. „Ein Beitrag, der den Interessen, aber auch dem politischen und wirtschaftlichen Gewicht Deutschlands entspricht.“ 


Für Kujat ist der Ukraine-Konflikt die größte geopolitische Herausforderung Europas seit dem Ende des Kalten Krieges. Die Bundesregierung habe hier nicht nur eine Vermittler- rolle, sondern eine Führungsrolle für Europa übernommen. „Damit kann sie allerdings nur erfolgreich sein, wenn es gelingt, die Vereinigten Staaten und Russland an den Verhandlungstisch zu bringen.“
„Außenpolitische Berechenbarkeit und Solidarität mit unseren Verbündeten sind heute genau so wichtig wie zur Zeit des Kalten Krieges. Aber die Globalisierung und die politischen und wirtschaftlichen Verflechtungen mit dem politischen Kontrahenten und potenziell militärischen Gegner sind heute größer denn je.“ Deshalb gebe es keine Lösun- gen im Gegeneinander, sondern nur im Miteinander. Und das bedeute Ausgleich der Interessen, nicht Durchsetzen eigener Wertvorstellungen. 

Doch was den General schwer ins Grübeln bringt: Wenn ihm ein polnischer Ex-Minister sage: „Die Schwäche des deutschen Militär bereitet mir ernsthaft Sorgen.“ Dann, fordert Kujat, könne es eben nicht immer nur bei Ankündigen bleiben, wieder mehr ins Militär zu investieren, deren Aufgaben viel komplexer geworden seien.

Nach so einer strategischen Lehrstunde mit einem weiten Blick über den Tellerrand, war die Runde denn auch froh, mal wieder auf den eigenen Teller zu schauen. Da fanden sich beim Herrenessen Hirsch mit Waldpilzen und hinterher Rumtopf mit Vanilleeis.

Für den Verein Lüneburger Kaufleute, sagte Präsident Martin Aude zu Beginn, sei der General dieses Jahr erste Wahl gewesen, um in einer Welt voller Konflikte, Krisen und Katastrophen einen Erklärer in der Mitte zu haben, der Orientierung biete.

Präsident Aude begrüßte zum 41. Herrenessen gut 235 Teilnehmer, darunter Oberbürgermeister Ulrich Mädge und Landrat Manfred Nahrstedt, die aktuell mit den Bürgermeistern die Folgen der Krisen, die Kujat erwähnte, spüren: Flüchtlinge, die winterfest einquartiert werden müssen, und das schafft im kleinen Sumte im Amt Neuhaus wie im großen Lüneburg zunehmend kaum beherrschbare Not- lagen, die Härten nach sich ziehen.Gesprächsstoff genug fürs Tabak-Kollegium und einige Runden Bier. 

(Quelle: Landeszeitung Lüneburg; 31.10.2015; vielen Dank!)


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